Dienstag, 01.09.2026
Tracey: Wertschöpfungsketten digital sichtbar und verständlich machen
Das Wichtigste in Kürze:
Wertschöpfungsketten transparent abbilden
Tracey stellt die einzelnen Stationen einer Wertschöpfungs- oder Recyclingkette strukturiert dar. Nutzerinnen und Nutzer können nachvollziehen, wo Materialien herkommen, wie sie verarbeitet werden und welche Schritte bis zum fertigen Produkt notwendig sind.
Prozesse anschaulich vermitteln
Texte, Bilder, Daten und 360-Grad-Aufnahmen lassen sich direkt den jeweiligen Lieferkettenstufen zuordnen. Dadurch können Produktions- und Verarbeitungsstandorte virtuell erkundet und komplexe Abläufe verständlich vermittelt werden.
Ökologische und soziale Risiken sichtbar machen
Für jede Stufe der Lieferkette können die damit verbundenen ökologischen und sozialen Risiken dargestellt werden. Tracey unterstützt Unternehmen dadurch nicht nur bei der Kommunikation, sondern auch bei der systematischen Betrachtung ihres Risikomanagements.
Auf den DPP vorbereiten
Die Webanwendung schafft eine Grundlage, um produkt- und prozessbezogene Informationen strukturiert bereitzustellen. Damit können sich Unternehmen frühzeitig mit möglichen Anforderungen des DPP auseinandersetzen.
Wenn komplexe Prozesse unsichtbar bleiben
Produkte entstehen selten an nur einem Standort. Materialien werden gesammelt, sortiert, transportiert, verarbeitet und zu neuen Produkten weiterverarbeitet. Häufig wirken dabei zahlreiche Unternehmen und spezialisierte Partner zusammen.
Für Außenstehende bleiben diese Abläufe meist unsichtbar. Auch innerhalb eines Unternehmens liegen Informationen zur Wertschöpfungskette oftmals in verschiedenen Dokumenten oder Systemen vor. Eine verständliche Gesamtdarstellung fehlt.
Gerade in zirkulären Lieferketten ist Transparenz jedoch entscheidend: Woher stammen die Materialien? Wie werden sie verarbeitet? Welche Ressourcen werden benötigt? Welche Risiken bestehen an den einzelnen Stationen? Und was entsteht am Ende aus den zurückgeführten Materialien?
Tracey führt diese Informationen in einer zentralen Webanwendung zusammen.
Eine digitale Reise entlang der Wertschöpfungskette
Im Mittelpunkt von Tracey stehen die einzelnen Stationen einer Wertschöpfungs- oder Recyclingkette. Sie werden in einer nachvollziehbaren Reihenfolge angeordnet und mit den jeweils relevanten Inhalten verknüpft.
Jede Station kann beispielsweise Informationen zu folgenden Fragen enthalten:
- Was geschieht an diesem Punkt der Wertschöpfungskette?
- Welches Material wird verarbeitet?
- Wo befindet sich der Standort?
- Welche Unternehmen oder Partner sind beteiligt?
- Welche Daten und Kennzahlen entstehen?
- Welche ökologischen und sozialen Risiken sind mit der Lieferkettenstation verbunden?
Statt umfangreicher Tabellen oder langer Berichte führt Tracey die Nutzerinnen und Nutzer Schritt für Schritt durch den Prozess. So wird aus einer abstrakten Lieferkette eine verständliche digitale Geschichte.
Virtuelle Einblicke durch 360-Grad-Aufnahmen
Ein besonderes Element von Tracey ist die Einbindung von 360-Grad-Aufnahmen aus Produktions-, Sortier- oder Verarbeitungsstandorten. Nutzerinnen und Nutzer können sich virtuell vor Ort umsehen und erhalten einen realitätsnahen Eindruck von den jeweiligen Prozessen. Das macht Abläufe sichtbar, die Kunden, Geschäftspartnern oder anderen Interessierten normalerweise verborgen bleiben. Die virtuellen Einblicke ergänzen fachliche Informationen und Kennzahlen um eine anschauliche Ebene. Sie können beispielsweise in der Kundenkommunikation, im Vertrieb, bei der Vorstellung von Partnerunternehmen oder zur Erläuterung technischer Prozesse eingesetzt werden.
Risiken pro Lieferkettenstufe strukturiert darstellen
Transparenz bedeutet nicht nur, Prozessschritte und Daten abzubilden. Unternehmen müssen auch verstehen, welche Risiken mit einzelnen Stationen ihrer Lieferkette verbunden sind. Tracey ermöglicht es, ökologische und soziale Risiken direkt den jeweiligen Lieferkettenstufen zuzuordnen. Dazu können beispielsweise ein hoher Wasser- oder Energieverbrauch, der Einsatz kritischer Chemikalien, Emissionen, problematische Arbeitsbedingungen oder fehlende soziale Standards zählen.
Die Anwendung unterstützt damit eine strukturierte Risikobetrachtung:
- Risiken werden dort sichtbar, wo sie innerhalb der Lieferkette entstehen.
- Zusammenhänge zwischen Standorten, Prozessen und Risiken werden nachvollziehbar.
- Relevante Informationen können für interne und externe Zielgruppen unterschiedlich aufbereitet werden.
- Handlungsfelder und besonders kritische Lieferkettenstufen lassen sich leichter erkennen.
Tracey ersetzt dabei keine umfassende Risikoanalyse oder Prüfung. Die Webanwendung schafft jedoch eine zentrale und verständliche Darstellung, die das betriebliche Risikomanagement unterstützen kann.
Produkt-, Prozess- und Umweltdaten an einem Ort
Welche Informationen in Tracey dargestellt werden, richtet sich nach dem jeweiligen Anwendungsfall. Möglich sind unter anderem Angaben zur Herkunft und Zusammensetzung der Materialien, zu Rezyklatanteilen, Sortierkriterien, Standorten, Ressourcenverbräuchen und Umweltkennzahlen.
Unternehmen können selbst festlegen, welche Inhalte veröffentlicht werden und welche Informationen nur intern zur Verfügung stehen. Dadurch lässt sich Tracey an unterschiedliche Zielgruppen und Kommunikationsziele anpassen.
Eine Grundlage für den DPP
Mit dem DPP sollen produktbezogene Informationen künftig digital entlang des Lebenszyklus verfügbar werden. Dazu können unter anderem Angaben zu Materialzusammensetzung, Herkunft, Recyclingfähigkeit oder Umweltwirkungen gehören.
Viele konkrete Anforderungen für einzelne Produktgruppen befinden sich noch in der Ausarbeitung. Unternehmen können sich dennoch bereits heute vorbereiten: Welche Daten sind vorhanden? Wo bestehen Lücken? Wie lassen sich Informationen strukturiert erfassen und bereitstellen?
Tracey unterstützt Unternehmen dabei, relevante Informationen für einen künftigen DPP frühzeitig zu strukturieren und den einzelnen Lieferkettenstufen zuzuordnen. So lassen sich vorhandene Daten übersichtlich bündeln und schrittweise um weitere DPP-relevante Angaben ergänzen.
TURNS als Praxisbeispiel
Ein erster konkreter Anwendungskontext entstand gemeinsam mit der wagner+thummerer gmbH, kurz TURNS. Das fränkische Start-up entwickelt ein zirkuläres System für das Faser-zu-Faser-Recycling von Alttextilien. Die betrachtete Recyclingkette reicht von der Rücknahme und Sortierung ausgedienter Textilien über das Recycling bis hin zur Herstellung neuer Garne und textiler Flächen. Im Projekt wurde untersucht, wie sich diese Stationen digital abbilden und mit Daten sowie 360-Grad-Aufnahmen verbinden lassen.
Tracey wurde für diesen Anwendungsfall als webbasierter Konfigurator umgesetzt. TURNS kann die Inhalte eigenständig verwalten und entscheiden, welche Informationen veröffentlicht werden. Das Praxisbeispiel zeigt zugleich, wie sich die grundlegende Idee von Tracey auf weitere Unternehmen, Materialien und Wertschöpfungsketten übertragen lässt.
Die Entwicklung und praktische Erprobung der Anwendung wurde durch das Mittelstand-Digital Zentrum Franken und das Mittelstand-Digital Zentrum Smarte Kreisläufe begleitet. Weitere Informationen zu Ausgangssituation, Vorgehen und Ergebnissen enthält die Dokumentation zum Digitalisierungsprojekt: Recyclingkette als Basis für einen Digitalen Produktpass
Fazit
Transparenz entsteht nicht allein dadurch, dass Daten vorhanden sind. Informationen müssen strukturiert, verständlich und passend zur jeweiligen Zielgruppe aufbereitet werden.
Tracey verbindet Prozessschritte, Standorte, Medien, Kennzahlen sowie ökologische und soziale Risiken in einer zentralen Webanwendung. Unternehmen können dadurch komplexe Wertschöpfungsketten anschaulich erklären, Risiken entlang einzelner Lieferkettenstufen sichtbar machen und relevante Produkt- und Prozessinformationen digital bereitstellen.
Damit unterstützt Tracey sowohl die Kommunikation als auch das Risikomanagement und schafft zugleich eine Grundlage für wachsende Transparenzanforderungen und den DPP.
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