Freitag, 10.07.2026
Energiekosten in Arztpraxen senken: Ein einfacher Einstieg mit Selbstcheck und XLS-Tool
Das Wichtigste in Kürze
Fehlende Transparenz
Hausarztpraxen haben häufig wenig Transparenz über ihren Energieverbrauch und mögliche Einsparpotenziale.
Praxisnaher Selbstcheck
Gemeinsam mit einer typischen Hausarztpraxis wurde ein einfacher Selbstcheck-Energie für Hausärzt*innen entwickelt.
Einfaches XLS-Tool
Das XLS-Tool hilft dabei, Energiekosten, Verbraucher und Energiekennzahlen strukturiert auszuwerten.
Einsparpotenziale erkennen
Bereits mit wenigen Daten lassen sich erste „Energiefresser“ und Einsparpotenziale sichtbar machen.
Energieeffizienz in Arztpraxen: Ein unterschätztes Thema
Lange Zeit spielte das Thema Energieeffizienz in Hausarztpraxen nur eine untergeordnete Rolle. Die Energiekosten machten häufig lediglich ein bis zwei Prozent der Gesamtausgaben aus und wurden deshalb kaum näher betrachtet. Doch spätestens seit den stark gestiegenen Energiepreisen der vergangenen Jahre hat sich die Situation verändert. Strom- und Heizkosten sind deutlich spürbarer geworden und entwickeln sich zunehmend zu einem relevanten Kostenfaktor im Praxisalltag. Gleichzeitig wird nachhaltiges Wirtschaften auch für kleinere Gesundheitseinrichtungen zunehmend wichtiger – sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich.
Viele Hausarztpraxen stehen dabei jedoch vor einer grundlegenden Herausforderung: Es fehlt häufig an Transparenz über den tatsächlichen Energieverbrauch. Zwar liegen Strom- und Heizkostenabrechnungen vor, doch nur selten ist klar, welche Geräte besonders viel Energie verbrauchen, wo sich Einsparpotenziale befinden oder welche Maßnahmen überhaupt sinnvoll wären. Gleichzeitig verfügen kleinere Praxen meist weder über ein eigenes Energiemanagement noch über die zeitlichen Ressourcen für aufwendige Analysen.
Dabei lassen sich bereits mit einfachen Mitteln erste Erkenntnisse gewinnen. Genau hier setzt ein Projekt des Mittelstand-Digital Zentrums Franken an, das gemeinsam mit einer typischen Hausarztpraxis mit zwei Ärztinnen in einem Ärztehaus durchgeführt wurde.
Ein Praxisprojekt: Transparenz über Energieverbrauch schaffen
Ziel des Projekts “Selbstcheck für Hausartzpraxen” war es, einen einfachen und praxisnahen Einstieg in das Thema Energiemanagement zu schaffen. Gemeinsam mit der Hausarztpraxis wurde ein niedrigschwelliger „Selbstcheck Energie“ entwickelt, mit dem Praxen ihren Energieverbrauch erstmals strukturiert erfassen und bewerten können.
Im Mittelpunkt stand dabei die Frage:
Wie können Hausarztpraxen mit möglichst geringem Aufwand einen Überblick über ihren Energieverbrauch erhalten und erste Einsparpotenziale erkennen?
Dafür wurde ein prototypisches XLS-Tool entwickelt, das ohne besondere Vorkenntnisse genutzt werden kann. Das Tool unterstützt Praxen dabei,
- Strom- und Heizkosten zu erfassen,
- Praxisfläche und Patientenkontakte einzugeben,
- typische elektrische Verbraucher zu dokumentieren,
- Betriebszeiten abzuschätzen,
- und daraus automatisch Energiekennzahlen zu berechnen.
Zusätzlich werden Verbrauchsschwerpunkte sichtbar gemacht und erste Hinweise auf mögliche Einsparpotenziale gegeben.
Das Vorgehen im Projekt bestand aus vier Schritten:
- Analyse der vorhandenen Energiedaten und Energiekosten
- Bildung von Energiekennzahlen
- Systematische Erfassung aller elektrischen Verbraucher in den Praxisräumen
- Ableitung möglicher Energieeffizienzmaßnahmen
Besonders wichtig war dabei die Erkenntnis, dass viele Hausarztpraxen bislang nur wenig Transparenz über ihre energetischen Grundlasten besitzen. Gerade Dauerläufer wie Beleuchtung, Kühlgeräte, Servertechnik oder IT-Systeme verursachen oft höhere Stromverbräuche als erwartet.
Energiekennzahlen für Arztpraxen
Um den Energieverbrauch einer Arztpraxis besser einordnen zu können, eignen sich sogenannte Energiekennzahlen. Sie helfen dabei, den eigenen Verbrauch mit typischen Vergleichswerten anderer Praxen zu vergleichen und erste Auffälligkeiten sichtbar zu machen. Besonders relevant sind dabei der Stromverbrauch pro Praxisfläche sowie der Stromverbrauch pro Patientenkontakt. [3]
Die Energiekennzahl „kWh pro Quadratmeter Praxisfläche“ beschreibt, wie viel Energie pro Jahr bezogen auf die Betriebsfläche der Praxis verbraucht wird. Sie gilt als vergleichsweise robuste Kennzahl, da sie relativ unabhängig von Praxisorganisation oder Patientenzahl ist. Typische Hausarztpraxen liegen nach vorhandenen Vergleichswerten bei etwa 35 bis 50 kWh/m² und Jahr.
Die Kennzahl „kWh pro Patientenkontakt“ setzt den Energieverbrauch ins Verhältnis zur Anzahl der Patientenkontakte pro Jahr. Sie ermöglicht zusätzliche Rückschlüsse auf die Auslastung und die energetische Grundlast einer Praxis. Gleichzeitig muss diese Kennzahl vorsichtig interpretiert werden, da sie stark von Praxisstruktur, Öffnungszeiten, Geräteausstattung und organisatorischen Abläufen beeinflusst wird. Vergleichswerte liegen typischerweise bei etwa 0,30 bis 0,40 kWh pro Patientenkontakt und Jahr.
Im Rahmen des Projekts zeigte sich, dass beide Kennzahlen gemeinsam betrachtet werden sollten. Während die Kennzahl pro Quadratmeter vor allem Hinweise auf die technische Energieeffizienz liefert, kann die Kennzahl pro Patientenkontakt zusätzlich Hinweise auf energetische Grundlasten, Dauerläufer oder die Auslastung der Praxis geben. Dadurch lassen sich Energieverbräuche differenzierter bewerten und erste Ansatzpunkte für Energieeffizienzmaßnahmen ableiten.
Welche Maßnahmen bereits mit geringem Aufwand möglich sind
Nicht jede Energieeffizienzmaßnahme erfordert große Investitionen. Im Gegenteil: Viele Verbesserungen lassen sich bereits mit überschaubarem Aufwand umsetzen.
Dazu gehören beispielsweise:
- die Umrüstung auf LED-Beleuchtung,
- die Reduzierung von Standby-Verbräuchen,
- der Einsatz schaltbarer Steckdosenleisten,
- die Optimierung von Betriebszeiten,
- die Überprüfung von Stromtarifen,
- oder die Sensibilisierung des Praxisteams für energiebewusstes Verhalten.
Auch organisatorische Maßnahmen können einen Unterschied machen. Häufig laufen Geräte länger als notwendig oder bleiben dauerhaft eingeschaltet, obwohl sie nur zeitweise benötigt werden. Gerade in Hausarztpraxen summieren sich solche kleinen Verbrauchsmuster über das Jahr zu relevanten Energiekosten.
Der Selbstcheck ersetzt dabei keine professionelle Energieberatung. Er kann jedoch helfen, erste Auffälligkeiten sichtbar zu machen und zu entscheiden, ob sich weiterführende Maßnahmen oder eine externe Beratung lohnen könnten.
XLS-Tool zum Download: Einfacher Einstieg in den Selbstcheck Energie
Im Rahmen des Projekts wurde ein prototypisches XLS-Tool (HIER DER LINK) entwickelt, das Hausarztpraxen kostenlos als Einstieg in das Thema Energieeffizienz nutzen können.
Das Tool unterstützt Praxen dabei,
- Energiedaten strukturiert zu erfassen,
- Energiekennzahlen automatisch zu berechnen,
- typische Verbrauchsschwerpunkte sichtbar zu machen,
- und erste Hinweise auf mögliche Einsparpotenziale zu erhalten.
Der Selbstcheck richtet sich insbesondere an kleinere und mittlere Hausarztpraxen, die bislang wenig Berührung mit dem Thema Energiemanagement hatten und zunächst einen einfachen Überblick über ihre energetische Situation gewinnen möchten.
Bereits mit wenigen vorhandenen Daten können erste Erkenntnisse gewonnen werden. Damit bietet das Tool einen praxisnahen Einstieg in ein Thema, das für Arztpraxen in Zukunft zunehmend an Bedeutung gewinnen wird.
Der Selbstcheck-Energie zeigt, dass Energiemanagement nicht kompliziert beginnen muss – oft reicht bereits der erste strukturierte Überblick über die eigenen Verbräuche. (HIER DER LINK)
Quellen
- https://www.praktischarzt.de/magazin/umfrage-energiekosten-belasten-viele-arztpraxen/ [22.05.2026]
- https://www.virchowbund.de/praxisaerzte-blog/was-praxisaerzte-gegen-den-klimawandel-und-seine-folgen-tun-koennen[22.05.2026]
- https://www.stawag.de/fileadmin/user_upload/spartipps_gewerbekunden_arztpraxen.pdf [22.05.2026]
- https://www.fischer-rauch.de/download/energiesparpotenziale.pdf [22.05.2026]
- https://digitalzentrum-franken.de/projekte/detail/selbstcheck-energie-fuer-hausarztpraxen [22.05.2026]
Ihre Ansprechpartnerin
Nicola Kimiaie
E-Mail: nicola.kimiaie@hs-ansbach.de